Mein peinlichster Moment als große Frau

Lasst euch gesagt sein: Vieles was wir selbst als unfassbar peinlich wahrnehmen kommt bei unserem Gegenüber ganz anders an. Dennoch gibt es sicher viele Situationen in denen sich große Frauen unwohl fühlen. Ich zum Beispiel fühle mich oft in Gegenwart von eher kleinen Menschen wie der letzte Trampel.

Aber eine Situation die mir beim Stichwort „peinlich“ sofort in den Sinn kommt ist folgendes Erlebnis aus meiner frühen Teeniezeit: Ich war vermutlich 13 oder 14 und brauchte ganz dringend neue Sportschuhe für den Sportunterricht. Ich kann mich gut erinnern, dass ich während meiner Schulzeit selten beim Sport teilgenommen habe, einfach weil ich keine Schuhe hatte. Damals war Online Shopping noch nicht so gängig sonst wäre mein Problem im Nu gelöst gewesen. Ich habe mich für meine großen Füße sehr geschämt und Schuhe kaufen war für mich absoluter Horror (kein Vergleich zu heute 🙂 ) Während meine Freundinnen einfach irgendein Modell im nächsten Laden auswählen konnten, was dann auch noch unfassbar gut an ihren winzigen Füßen aussah, musste ich erstmal monatelang sparen um mir ein sauteures Paar vom Spezialversandhandel leisten zu können, was dann meistens noch mehr auftrug und damit meine Komplexe nur noch bestärkte.

Irgendwann hatte meine Mutter die Nase voll davon und schleifte mich in ein Schuhgeschäft damit ich mir in der Herrenabteilung ein Paar Sportschuhe aussuchen konnte. Ich weiß nicht genau woher meine Angst vor Herrenschuhen kam. Jedenfalls mied ich die Herrenabteilung in Schuhgeschäften so gut wie irgend möglich – obwohl ich nur dort fündig werden konnte. Diese furchtbaren schwarzen, grauen oder braunen Klotze machten mich erst recht Trampeltier. Ich hasste es!

Ich ging gebückt durch die Schuhregale, damit bloß niemand mitbekam, dass ich als Mädchen Schuhgröße 44 brauchte. Als ich schließlich ein einigermaßen annehmbares Exemplar gefunden hatte, musste ich diese sogar in Größe 45 probieren, weil 44 zu klein war (Schuhfabrikanten sind einfach unfassbar grausam). Ich war überzeugt, dass es nicht mehr schlimmer kommen konnte. Aber da hatte ich nicht mit meiner Mutter gerechnet. Diese schnappte das Paar und tigerte zur Kasse – ich in gebührendem Abstand mit teilnahmsloser Miene hinterher (es sollte ja bloß keiner auf die Idee kommen, dass das meine Schuhe waren). Die ältere Dame scannte die Schuhe, nannte den Preis und meine Mutter bezahlte. Bis hierhin kein Drama, ich traute mich langsam aufzuschließen. Dann lächelte sie und sagte man könne die Schuhe innerhalb von 14 Tagen umtauschen wenn sie nicht passen würden. Meine Mutter deutete auf mich und antwortete: „Die passen. Sie hat sie ja anprobiert.“ Ich stand einfach nur da und lief puderrot an, während die Dame ihre Brille zurechtrückte und mich mit diesem ungläubigen Blick musterte.

Ich weigere mich bis heute Schuhe in der Herrenabteilung zu kaufen.

Und habe seitdem nie wieder mit meiner Mutter ein Schuhgeschäft betreten.

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